05.01.2026 – Operation „Bunker“ – Warum mein Serverraum eine 18cm Bodenplatte bekommt (400 kg/m²!)

Status: Der Bohrhammer hat kurz Pause, denn jetzt wird es massiv. Während oben im 1. OG die Daten bereits mit Lichtgeschwindigkeit durch den Kaminzug fließen (siehe Beitrag 2), widmen wir uns heute dem Fundament des Ganzen. Wortwörtlich.

Wer „Projekt Endgame“ sagt, kann beim Boden nicht aufhören. Der geplante Serverraum im Erdgeschoss ist das Herzstück des Hauses. Hier werden künftig nicht nur die 10G-Switche blinken, sondern auch schweres Eisen stehen. Serverschränke, USV-Batterien, vielleicht irgendwann mal Speicherlösungen, die heute noch wie Science-Fiction klingen.

Das Problem im Altbau von 1960? Die Böden. Sie schwingen. Sie sind für Wohnräume gemacht (ca. 150-200 kg/m²). Wenn ich hier einen vollbestückten 42HE-Serverschrank hinstelle und einmal kräftig huste, vibrieren die Festplatten im Takt. Das ist inakzeptabel.

Die Lösung: Wir bauen einen Bunker im Wohnhaus.

Ich habe nicht geraten, ich habe rechnen lassen. Für knapp 1.000 € gab es vom Statiker nicht nur den Segen für den Wanddurchbruch im OG (dazu später mehr), sondern auch eine Berechnung für eine neue Bodenplatte im Serverraum, die sich gewaschen hat.

Die „Endgame“-Spezifikationen:

  • Material: Beton C25/30
  • Stärke: 18 cm. (Im normalen Einfamilienhaus macht man gerne mal 12-14 cm. Wir machen 18. Weil wir es können.)
  • Bewehrung: Doppelte Lage Stahlmatten (Q257-A) plus Randeinfassung. Ich habe Stücklisten bekommen, die aussehen wie eine Bestellung für einen Panzerkreuzer.

Zahlen, die glücklich machen

Jetzt wird es technisch (und ein bisschen irre). Warum der Aufwand? Die Statik bescheinigt mir jetzt schwarz auf weiß:

  1. Flächenlast: 400 kg/m² (4 kN/m²). Das ist das Doppelte der normalen Wohnlast. Ich könnte den Raum also theoretisch bis zur Decke mit Bleiplatten stapeln (oder sehr, sehr vielen Festplatten).
  2. Der „Gabelstapler“-Faktor: Das eigentliche Highlight versteckt sich im Kleingedruckten der Berechnung (Lastfall 3). Die Platte ist rechnerisch für eine Punktlast von 30 kN ausgelegt. Für die Nicht-Ingenieure: Das sind 3 Tonnen. Auf einem Punkt.

Ich könnte also theoretisch einen einzelnen Stellfuß meines Serverschranks mit dem Gewicht eines ausgewachsenen SUVs belasten, und der Boden würde nur müde lächeln. Durchstanzen? Fehlanzeige.

Die Realität: Archäologie statt Technologie

Bevor ich allerdings zum Eisenflechter werde und das „Stahl-LEGO“ zusammensetze, muss erst einmal Platz geschaffen werden. Aktuell sieht der künftige High-Tech-Raum nämlich eher aus wie eine archäologische Ausgrabungsstätte.

Der Plan für die nächsten Tage:

Erdreich weiter ausheben und entsorgen.
Leerrohre aus dem Keller ziehen (damit die Glasfaser später auch hochkommt).
Kiesbett einbringen und verdichten.
Folie rein, Abstandhalter (Drunterleisten), erste Lage Matten, Unterstützungskörbe („Schlangen“), zweite Lage Matten.
Und dann kommen 2,5 Kubikmeter Beton in den Raum.

Der WAF (Woman Acceptance Factor)

Normalerweise sind Baustellen-Diskussionen ja ein Minenfeld: „Brauchen wir das wirklich?“, „Das wird aber teuer!“, „Da verlieren wir Raumhöhe!“. Ich hatte mich schon auf eine Verteidigungsrede vorbereitet, warum der Boden so dick sein muss. Aber die Reaktion der Freundin war der wahr gewordene Traum eines jeden Heimnetzwerkers.

Keine Diskussion. Kein Veto. Einfach pure „Laissez-faire“-Haltung. Sie interessiert sich null für Betonstärken, statische Nachweise oder Punktlasten. Das ist die gefährlichste Art von Freiheit: Ich darf machen, was ich will – aber wenn es am Ende nicht perfekt läuft, habe ich auch niemanden, dem ich die Schuld geben kann.

Nächste Schritte

Sobald der Stahl liegt, kommt der Betonmischer. Danach heißt es: Nachbehandlung. Feucht halten, Folie drauf, Risse vermeiden. Denn ein Bunker mit Rissen ist nur ein Loch im Boden.

Bis dahin übe ich schon mal das Rödeldraht-Drehen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Author: Cronix

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